Rolls Royce Phantom II
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Rolls Royce Phantom II

Rolls-Royce Phantom II – Viertüriges Cabriolet von Alexis Kellner, Berlin
Chassis-Nr. 226AJS · Motor-Nr. B55M · Auslieferung April 1931 · Linkslenkung ab Werk

Der Rolls-Royce Phantom II gilt vielen Kennern als das begehrenswerteste Vorkriegsmodell der Marke: Er war das letzte Modell, das noch vollständig unter der Leitung von Sir Henry Royce entwickelt wurde. Zwischen 1929 und 1936 entstanden insgesamt 1.675 Exemplare. Der hier angebotene Wagen nimmt unter ihnen eine Sonderstellung ein. Er ist einer von nur 125 ab Werk linksgelenkten Phantom II, der einzige davon, der nach Deutschland geliefert wurde, und der einzige Phantom II überhaupt mit einer Karosserie von Alexis Kellner, Berlin.

Einer von sechs
Die Linkslenker der Chassis-Serien AJS und AMS wurden in Derby eigens für den amerikanischen Markt gebaut; das vorangestellte „A" steht für „America". 119 der 125 Fahrzeuge gingen nach Nordamerika, lediglich sechs an Besteller im Rest der Welt. Chassis 226AJS ist eines dieser sechs Fahrzeuge.

Karosserie
Alexis Kellner zählte ab 1910/11 zu den ersten Adressen des deutschen Karosseriebaus. Sein Berliner Betrieb warb mit Aussagen wie „Die Carosserie der Fürsten" und sicherte seine Konstruktionen durch zahlreiche Patente ab, vor allem die federunterstützten Cabriolet-Verdecke, die sich von einer einzelnen Person bedienen ließen. Nachweislich erhielten nur drei Rolls-Royce einen Aufbau von Alexis Kellner, Berlin: ein 20 H.P. (1925), ein Phantom I (1928) und dieser Phantom II.

Die Karosserie entstand laut Werksunterlagen auf einem Hilfsrahmen (Sub Frame No. L1755) und wurde als komplette Einheit auf Gummiblöcken auf das lange Fahrgestell gesetzt. Das sorgt für hohe Verwindungssteifigkeit und spürbar mehr Ruhe im Fahrbetrieb. Der Wagen trägt bis heute seinen originalen Aufbau, ohne spätere Modifikationen oder Karosserietausch. Die Karosseriebauer-Plakette „Alexis Kellner Berlin" samt Hinweis auf den Schutz durch Deutsches Reichs-Patent ist vorhanden.

Zu den Details gehören eine ausstellbare Windschutzscheibe mit zwei großen, verstellbaren Sonnenblenden, ein Lenkrad mit Hupenring (1931 noch eine Neuheit), verstellbare Einzelsitze vorn, Wurzelholz und Leder im Innenraum, zwei Reserveräder sowie die fein ausgeformte Sicke an den Vorderkotflügeln.

Historie
Das Fahrzeug wurde über die Rolls-Royce-Vertretung in Genf bestellt, im April 1931 als Fahrgestell nach Deutschland geliefert, in Berlin karossiert und an seinen ersten Besitzer in der Schweiz übergeben. 1935 wechselte es an einen zweiten Schweizer Eigentümer, bei dem es bis in die 1960er-Jahre blieb. Während des Zweiten Weltkriegs war es wegen der Benzinrationierung mehrere Jahre stillgelegt. Anschließend gelangte der Wagen nach Belgien zu einem technisch versierten Enthusiasten, dessen Schriftverkehr mit dem Werk größtenteils erhalten ist. Anfang der 1980er-Jahre wurde er nach Deutschland importiert und befindet sich seither in deutschem Sammlerbesitz. Eine Phase der Vernachlässigung gibt es in der Geschichte dieses Wagens nicht.

Restaurierung und Dokumentation
Bereits 2004/2005 wurde der Motor bei Fachbetrieben komplett überholt (Kurbelwellenlager, Zylinder, Kolben, Nockenwelle; Aufwand über 20.000 Euro). In späteren Jahren wurden zusätzlich der Zylinderkopf und ein Motorblock erneuert, mit nochmals deutlich höherem Aufwand.

Seit 2017 wurde das Fahrzeug vollständig restauriert. Die Arbeiten umfassten auch Motor und Getriebe, sodass sich der Wagen heute in durchgehend restauriertem Zustand präsentiert.

Werksspezifikation und Technik
Die Chassis Cards belegen, dass Rolls-Royce ein auf den neuesten Stand gebrachtes Fahrzeug lieferte: auf Kundenwunsch mit breiteren Bremstrommeln an der Hinterachse und entsprechend größerer Spurweite hinten, dazu ein Motor mit verbesserter Schmierung. Der Kontinentalauslieferung entsprechen der Tachometer in Kilometern, die Tankanzeige in Litern und die französischsprachige Typenplakette an der Spritzwand.

• Sechszylinder-Reihenmotor, 7.668 ccm (Bohrung × Hub 108 × 139,7 mm), hängende Ventile
• 92 PS bei 2.500 U/min laut Werks-Prüfstandsprotokoll
• Doppelzündung (Batterie und Magnet)
• Vierganggetriebe, Einscheiben-Trockenkupplung, Kardanantrieb
• Halbelliptikfedern und hydraulische Stoßdämpfer rundum
• Vierrad-Trommelbremsen mit Bremsservo
• Langes Fahrgestell (Radstand 3.810 mm)

Preis: auf Anfrage

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